Sommerpause

Veröffentlicht in 1.FC Köln, 1899 Hoffenheim, Bayern München, Borussia Dortmund, Bundesliga, Fußball, Fußball WM, Fußballweltmeisterschaft, Schalke 04 am Juli 29, 2011 von johnbete

Ich bin als Kind in den Sommerferien nie weggefahren. Meine Eltern hatten entweder kein Geld oder sie waren klug genug um sich diesen Stress nicht anzutun. Denn eigentlich brauchte ich auch kein fremdes Land, keine fremde Sprache oder mehr Sonne als ich in Deutschland hätte bekommen können. Ich weiß tatsächlich gar nicht was ich in den ersten zwei Sommerferien meines Lebens gemacht habe. Langweilig waren sie für mich jedenfalls nicht. Ich hatte jede Menge Freunde denen es genauso ging wie mir und so sind wir dann morgens aufgebrochen. In den Wald, auf die Straße oder bei schlechtem Wetter vor Fernseher und Konsole. Gelegentlich wurden auch diverse Schlachten mit meinen Wrestling-Action-Figuren ausgetragen. Hulk Hogan hatte am Ende seiner Laufbahn nur noch sieben Finger, einen festgeklebten und somit unflexiblen Kopf und diverse Beulen an Gesäß und Oberschenkel.

1994 dann, ich war am Ende des dritten Schuljahres wurde ich Zeuge meiner ersten bewussten Fußball WM. Ich war natürlich für Deutschland aber auch alle anderen Nationen konnten mich irgendwie überzeugen. Da waren die kleinen Asiaten aus Südkorea, die körperlich beängstigend starken Nigerianer oder flinken Rumänen. Es gab große Spieler wie Hristo Stoichkov, Gheorge Hagi und Nwanko Kanu und einfache Sympathieträger wie Kennet Anderson, Coby Jones und Alexis Lalas. Jedenfalls rettete mir die WM meine Ferien. Ich war nur damit beschäftigt Namen zu lernen, Positionen auswendig zu lernen und mir Nummern zu merken. Denn nach der WM würde eine neue Bundesligasaison beginnen. Auch hier wieder dasselbe Prozedere. Es wurden die Namen aller Spieler auswendig gelernt, Teams, Taktiken und Frisuren inklusive. Das Kicker-Sonderheft, jahrelang im Besitz meines Vaters und Bruders konnte nun mit hoher Wahrscheinlichkeit in meinem Zimmer gefunden werden.

Ein Freund und ich haben uns sogar  als Trainer versucht. Wir stellten aus den Fußballern der ersten und zweiten Liga unser imaginäres Team zusammen und ließen die Geisterkicker ins Stadion einlaufen und Spiele gewinnen. Wir waren ein zwei Mann Trainer Team. Er war meist Jupp Heynckes und ich merkwürdigerweise immer Winnie Schäfer. Unser Stadion war eine große Wiese am Ende meiner Wohnsiedlung. An der Seite dieser Wiese ging es einen kleinen Hügel runter und unten stand dann eine Begrenzung aus Holz auf die wir uns setzen und dabei noch auf die Wiese sehen konnten. Christopher, so hieß mein Trainerkollege mit echtem Namen, und ich gerieten nur bei der Wahl des von uns zu betreuenden Teams in Schwierigkeiten. Er war Anhänger der Dortmunder Borussia und ich hielt schon immer zum 1. FC Köln. Da wir beide nicht für den anderen Verein die Geschicke führen wollten mussten wir uns einen neutralen Club suchen bei dem wir anheuern konnten. Es wurde immer Eintracht Frankfurt. Ich weiß auch nicht wieso aber aus irgendeinem Grund konnten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, die Eintracht im Gedanken zu ihren größten Erfolgen zu führen. Denn zweifellos wurde der Club aus dem Riederwald nie wieder so oft Meister wie Mitte der Neunziger Jahre unter der Fittiche von Winnie Schäfer und Jupp Heynckes. Meist wurden wir in der ersten Saison nur fünfter, doch damit erreichten wir immerhin den Uefa Cup. Im nächsten Jahr griffen wir dann voll an und wurden Meister und Pokalsieger. Meistens mit nur zwei Niederlagen. Eine beim FC in Köln und eine gegen Borussia Dortmund.

Irgendwann begriffen Christopher und ich, dass wir zu groß und alt für solche Spiele sind und uns ging die Fantasie verloren. Eine leere von Menschen verlassene Wiese war eben genau das und kein Fußballstadion für 60.000 Menschen.

Eine andere Sache, die Christopher und ich gerne gemacht haben war das Tippen der Saison. Hierbei wurde manchmal mein Kinderzimmer zum Funkhaus des WDR und wir gaben dem anderen unsere Ergebnisse durch eine inszenierte von Toren nur so krachende Schlusskonferenz bekannt.

„Tor in Karlsruhe!!! Der KSC macht das alles entscheidende 3 zu 1 gegen den BVB. Die Dortmunder sind geknickt“

„Das darfst du nicht. Dann ist der BVB nicht mehr Erster!“

„Dann kannst du es ja am nächsten Spieltag ändern“

„Mach ich auch! Und dein FC verliert dann eben auch. Ist sowieso nicht realistisch das die immer gewinnen.“

Ich könnte jetzt sagen, dass auch das irgendwann aus der Mode gekommen ist. Christopher habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen und auch den Kicker muss ich mir nicht mehr kaufen aber getippt wird eben immer noch. Ein bisschen Kind wohnt noch in meinem Verstand und Herzen.

Und hier meine Abschlusstabelle der kommenden Saison:

1. FC Bayern München: Ungerades Jahr, die Bayern werden Meister. So ist das eben.

2. FC Schalke 04: Mal wieder zweiter und Meister der Herzen.

3. SV Werder Bremen: Ein letztes Aufbäumen der Ära Schaaf.

4. Borussia Dortmund: Die Mehrfachbelastung ist schuld.

5. Bayer 04 Leverkusen: Knatsch mit Ballack und ebenfalls die Mehrfachbelastung.

6. 1. FC Köln: Ja, ähm…das ist halt so…

7. VfB Stuttgart: Diesmal eine gute Hinrunde und dafür eine grottige Rückrunde.

8. VfL Wolsburg: Graues Mittelmaß für eine graue Stadt.

9. 1899 Hoffenheim: Tradition schießt eben keine Tore.

10. Hannover 96: Siehe Dortmund und Leverkusen.

11. Hertha BSC: Überraschungsaufsteiger.

12. Bor. Mönchengladbach: Diesmal eine frühe Rettung.

13. Mainz 05: Auch hier mal wieder die verdammte Mehrfachbelastung.

14. 1. FC Nürnberg: Ein glimpfliches Krisenjahr.

15. Hamburger SV: Die Negativüberraschung.

16. FC Augsburg: Der sympathische Underdog.

17. 1.FC Kaiserslautern: Der neue Fahrstuhlverein.

18. SC Freiburg: Für die Breisgauer kein Weltuntergang.

Guido und ich

Veröffentlicht in Außenpolitik, Aussenminister, Bruttoinlandsprodukt, CDU, CSU, Die Grünen, FDP, Guido Westerwelle, Menschen, Soziale Gerechtigkeit, SPD am Juni 13, 2011 von johnbete

Als Kind war es für mich immer schwer vorstellbar, dass Menschen aus dem Fernsehen und ich dieselbe Luft atmen. Diese Verwunderung ist so tief in mir verankert, dass ich heute teilweise immer noch ungläubig dahin starre wenn ich jemandem begegne der einen RTL-2 Bekanntheitsgrad hat. Was in Köln natürlich in regelmäßigen Abständen passiert. Bekannte Menschen, die mir im letzten Jahr beim Bummeln durch die Stadt begegnet sind: diverse FC-Profis (Matuschyk, Lanig, Sanou), Dirk Bach, Hella von Sinnen, Christoph Maria Herbst und Michael Kessler. Jedes Mal bin ich an ihnen vorbeigegangen und habe meinen Kopf nach ihnen umgedreht. Immer schön unauffällig. Bis jetzt bin ich damit durchgekommen doch seit Samstag gibt es ein, zumindest für mich aufwühlendes Erlebnis.

Reichen Menschen dabei zuzusehen wie sie shoppen ist interessant. Zuerst ist man vielleicht ein wenig neidisch auf die Möglichkeiten, die einem das viele Geld zu ermöglichen scheint. Doch dann merkt man schnell, dass finanziell gut gestellte Menschen oft auch einfach von allem zuviel haben. Teure Klamotten wollen getragen werden und werden deshalb bei jeder Gelegenheit an die Öffentlichkeit gezerrt. Man sollte nicht meinen wie viele teure um die Schultern gebundene Golfpullover man an einem sonnigen Samstagvormittag in der Kölner Fußgängerzone rund um den Rudolfplatz sehen kann. Teure Schminke will aufgetragen werden und wird deshalb Schichtweise aufgetragen. Understatement ist hier wirklich noch ein Fremdwort was oft  zu obskuren Farbspielen im Gesicht der oberen 1000 Frauen in dieser Stadt führt. Da wird pinker Lippenstift und smaragdgrüner Lidschatten kombiniert während Rouge und Make-Up um die Vorherrschaft im Gesamtbild kämpfen. Nicht zu vergessen ist teures Parfum, welches anscheinend nie in Maßen aufgelegt werden kann sondern immer wie eine beschützende Wolke um sein Herrchen oder Frauchen herumschwirren muss und allen Menschen in fünf Metern Entfernung sagen muss, welchen sozialen Status man inne hat. Allerdings muss ich zur Ehrenrettung der oben erwähnten Prominenten sagen, sind es nie bekannte Menschen die sich so produzieren müssen sondern immer diejenigen Besserbetuchten von denen man es nur erahnen aber nicht wissen kann. Die eben unbekannt aber gut verdienend sind. Menschen die in der Öffentlichkeit stehen wissen scheinbar nur zu gut, dass es unvorteilhaft ist auszusehen als wäre man von der dreijährigen Tochter angezogen und geschminkt worden. Aus diesem Grund fiel er mir auch  so auf als ich in das Schaufenster eines Cafés guckte.

Er beugte sich dort über seine Tasse wie ein Obdachloser sich Ende Dezember über sein wärmendes Feuer beugt. Er schien etwas in seinem Latte Macchiato zu suchen. Eine Antwort, vielleicht eine Erkenntnis. Er blickte auf und schaute aus dem Fenster. Wieder mit diesem fragenden Blick. Ein wenig Ratlosigkeit und Sorge mischt sich in meiner Erinnerung in seinen Augen. Dachte er über die Atomkatastrophe in Japan nach, die Hasen ohne Ohren auf die Welt kommen lässt? Oder den neuesten Entwicklungen in Syrien wo jeden Tag aufs Neue Menschen im Kampf um die Freiheit sterben? Zweifellos musste es um solch tiefgründige Dinge gehen. Es konnte ja schließlich nicht sein, dass er gedankenverloren überlegte, was er heute Abend kochen sollte oder ob seine Schwiegermutter dieses Mal mit seinem Geschenk zum Geburtstag zufrieden wäre. Hier war die große Politik zu Gast und suchte sich ihren Weg in den Alltag. Unsere Blicke trafen sich und für eine Sekunde tröpfelten der ganze Weltschmerz und die ganze ungewisse Zukunftsvision des Dr. Guido Westerwelle (man sollte Politiker mit Doktortitel solange bei ihrem Titel nennen wie es geht) in meinen Verstand und es wurde ein Augenblick der einer Katharsis gleichkommt. Guido und ich waren eins. Nach diesem Bruchteil bemerkte ich, dass er seinen Blick wieder seinem Gesprächspartner zuwandte und mich links liegen ließ. Hatte ich mich in etwas reingesteigert und war ich zu weit gegangen und gleichzeitig zu schüchtern geblieben?

Ich ging mir ein Eis holen und als ich noch einmal zurückkam um  zu gucken ob Guido, denn von nun an durfte ich ihn so nennen, noch da war, wurde ich Zeuge unmenschlicher Leere. Guidos Platz war verwaist. Auch sein Partner war weg. Es gab keine Zweifel. Westerwelle war gegangen ohne Tschö zu sagen. Er ließ mich zurück. Im Gedanken alleine mit meiner Erdbeereistüte mit Sahne.

Des Fußballs hässliche Fratze

Veröffentlicht in 1.FC Köln, 1899 Hoffenheim, Bundesliga, Dietmar Hopp, Fußball, Homophobie, Homosexualität, Rassismus, Sinsheim, TSG Hoffenheim am Februar 20, 2011 von johnbete

Seit nunmehr vier Spielzeiten tummelt sich die TSG Hoffenheim im deutschen Profifußball. Steter Begleiter des Vereins aus dem Südwesten Deutschlands ist der 1.FC Köln. Beide Vereine sind im gleichen Jahr in die erste Bundesliga aufgestiegen und halten seitdem die höchste Spielklasse Deutschlands. Man könnte also sagen, dass der FC der älteste Rivale der Mannschaft aus dem Kraichgau ist. Und wie es sich für alte Rivalen gehört ist die Feindschaft besonders groß. Allerdings schießen manches Mal die Gemüter über den guten Geschmack hinaus und weil es letztendlich doch nur Sport ist muss man dann später Fehler eingestehen. So ist das bis jetzt nach jedem Spiel gegen die TSG in Köln passiert. Die FC-Fans sind besonders kritisch gegenüber dem Erfolg des von Dietmar Hopp finanzierten Retortenklubs und beschimpfen den Mäzen deshalb immer auf die übelste Art und Weise. Hopp findet das immer ganz schlimm und macht dies auch öffentlich woraufhin die FC-Verantwortlichen sich öffentlichkeitswirksam für ihre unartigen Kinder, so macht es den Eindruck, entschuldigen müssen. Bisher ist es jedes Mal so gelaufen.

Gestern war es dann wieder so weit. Hoffenheim empfing den Ersten Fußball Club Köln im Dietmar Hopp Stadion in Sinsheim. Natürlich gab es auch diesmal wieder Hohngesänge. Zuerst skandierten circa 3000 mitgereiste Kölner, dass sie Hoffenheim hassten und dann wurde Dietmar Hopp als Sohn einer Hure beschimpft. Das eine, könnten jetzt penible Menschen äußern, ist ja lediglich nur eine Feststellung des persönlichen Geschmacks und das andere eine böswillige Behauptung, die man doch bestimmt ohne Probleme widerlegen könnte.

Allerdings ist es so, dass zumindest die Spekulation über Frau Hopp Sen. Arbeitsplatz deutlich über das Ziel hinausschießt. Zumindest wenn man es aus Hoffenheimer Sicht sieht. Das Blöde bis gestern war, dass Herr Hopp sich immer selbst verteidigen musste, da die Anhänger seines Vereins nie in der Lage waren, das zu tun. Denn so läuft es normalerweise in einem Fußballstadion ab. Kurve Köln beleidigt Spieler XY der gegnerischen Mannschaft und Kurve XY skandiert daraufhin fiese Sachen über Podolski oder Köln.

Wie gesagt, gestern schafften das die Hoffenheim-Tifosi zum ersten Mal. Und sie zeigten dabei ihr hässlichstes Gesicht. Zuerst beschimpften sie die Heimatstadt des gegnerischen Anhangs als „Hauptstadt der Schwulen“ Natürlich wäre es nicht weiter schlimm als Hauptstadt der Homosexuellen zu gelten. So fern dies in einer politischen Talkshow geäußert werden würde. Aber wir sind hier nicht bei Maybritt Illner sondern ein einem Fußballstadion und in diesem Zusammenhang bedeutet dieser Satz folgendes: Wir mögen keine homosexuellen Menschen und ihr kommt aus einer Stadt, die dafür bekannt ist homosexuelle Paare zu tolerieren und sogar willkommen zu heißen. Deswegen mögen wir euch nicht. Ihr seid vielleicht sogar selbst „schwul“ und deswegen mögen wir euch auch nicht.“  Wie sich anwesende Homosexuelle in dieser Situation fühlen müssen kann ich nur erahnen. Um es ganz deutlich zu sagen: Hier wurde eine Minderheit in Deutschland ausgegrenzt und diffamiert. Was ärgerlich und von Hoffenheimer Seite zu entschuldigen wäre.

Nach dem verbalen Angriff auf Homosexuelle wurden die Kölner später im Spielverlauf auf folgende Art und Weise angegriffen: „Hört ihr das Gestöhne, hört ihr das Gestöhne, dass sind die Kölner Hurensöhne“ 3000 Menschen und ihre Familien einfach so in den Dreck gezogen und aufs übelste verunglimpft. Dazu noch im selben Tonfall wie es sonst Dietmar Hopp widerfährt. Das musste doch den Mäzen selbst auch erzürnen. So etwas könnte er doch nicht durchgehen lassen. Ich war mir nicht sicher ob Herr Hopp im Stadion war und es dort hörte oder ob er wie ich am TV-Gerät saß und es dort miterleben musste wie seine geliebten Supporter zur hässlichen Fratze Deutschlands wurden. Ein diskriminierender, schimpfender und aggressiver Haufen Menschen, die vor keiner verbalen Entgleisung halt machen. Als die 90 Minuten vorbei waren und sich beide Mannschaften nach einem relativ unspektakulären Spiel 1:1 trennten, war ich mir sicher, dass Herr Hopp vor die Kameras treten würde und die eigenen Fans auf das schärfste verurteilen und sich davon distanzieren würde, wie er es sonst immer von seinen Kölner Kollegen gefordert hat. Es kam aber nichts. Kein Wort des Bedauerns oder der Entschuldigung. Gab es keine Mikros? Keine Kameras? Ja, noch nicht mal einen Block in den man die Sätze hätte diktieren können? War Hoffenheim abgeschnitten vom Rest der Welt? Möglich wäre es, aber wahrscheinlicher ist es, dass Herr Hopp es nicht registriert hat, dass zuerst eine Minderheit in seinem Stadion diskriminiert worden ist und danach noch 3000 Menschen in ihrer Familienehre beleidigt worden sind. Oder wollte er es nicht hören?  Jemand untergebenes wird ihn doch aber darauf hingewiesen haben, was dort gerade in dem Stadion, dass seinen Namen trägt geschehen war.

Herr Hopp, es ist schade. Sie hätten gestern beweisen können, dass sie wirklich ein großartiger Mensch sind, der auch in der Lage ist für den Mist, den die Seinigen verzapfen gerade zu stehen. Ich bin angeekelt vom Anhang ihres Vereins und persönlich zutiefst enttäuscht von Ihnen.

 

Copy and Paste Rob Fleming

Veröffentlicht in 1.FC Köln, About A Boy, CDU, CSU, Fußball, High Fidelity, Leben, Lena, Musik, Nick Hornby, Nora Tschirner, Plagiat, Popmusik, The White Stripes, zu Guttenberg am Februar 13, 2011 von johnbete

„Ich glaube, High Fidelity und Nick Hornby waren damals schuld, dass ich dich weniger mochte und nicht mit dir zusammen sein wollte.“

„Aha“

„Ja, ich hatte das Gefühl, dass du diesen Typen aus dem Buch kopierst und ich fand das ganz traurig und schlimm“

Im weiteren Gesprächsverlauf fühlte ich mich gezwungen zu sagen, dass das alles gar nicht wahr ist und ich Rob ( Ich bin mir gerade wirklich nicht sicher ob er so heißt) nie im Leben kopieren wollte. Doch nach längerem Überlegen hier die Fakten: Rob macht ständig Top Five- Listen. Ich auch. Was aber auch daran liegen könnte, dass ich ein männliches Wesen bin. Mein ganzer Freundeskreis war und ist voll mit Männern und ehemaligen Jungs, die sich ihr Leben in Listen einteilen. Die wenigsten davon haben High Fidelity gelesen, bei manchen hege ich ernsthafte Zweifel daran, dass sie überhaupt mal ein Buch gelesen haben, und trotzdem erstellen wir Listen über die grausamsten FC-Transferflops der Neuzeit (1. Manaseh Ishiaku 2. Marco Reich 3. Ivan Vukomanovic 4. Jörg Reeb 5.Darko Pivaljevic), die besten Alben der 00er Jahre (1. The White Stripes „Elephant” 2. Black Rebel Motorcycle Club „Howl” 3. Babyshambles “Down in Albion” 4. Johnny Cash “The man comes around” 5. The Strokes “This is it”) und die schärfsten Schauspielerinnen in Sitcoms (1. Leah Remini 2. Mila Kunis 3. Jennifer Aniston 4. Die Blonde aus Scrubs 5. Laura Prepon) Bin ich also schon überführt weil ich Listen erstelle? Wohl kaum. Also vergleichen wir mal weiter. Rob hat schon einen Plattenladen und ich hatte lange Zeit zum Ziel später selbst mal einen zu besitzen. Ehrlich gesagt, finde ich die Vorstellung immer noch ganz cool einen eigenen Plattenladen zu besitzen. Weil Musik eine starke Konstante in meinem Leben ist und ich es liebe neue Platten zu hören. Allerdings macht die Zeit einen Menschen auch reifer und ich weiß jetzt, dass da ein ziemlich großes Risiko dran hängen würde einen eigenen Laden zu führen. Dennoch würde ich das nicht als Versuch werten den Typen aus dem Buch zu kopieren. Ich meine, wer von uns träumt denn nicht davon, dass zum Beruf zu machen einem wirklich Spaß macht? Ich glaube, wenn wir alle freie Wahl hätten womit wir unseren Lebensunterhalt bestreiten wollen würden, wären die Straßen voller Fußballer, Fernsehstars, Sänger und eben auch ein Plattenhändler. Jedenfalls wären wir alle glücklicher. Auch hier sind Plagiatsvorwürfe also nicht gerechtfertigt.

Der letzte Punkt der mir noch einfällt (Seht ihr, es sind nur drei Punkte. Würde ich in dem Buch leben, hätte ich hier eine Top Five Liste der Ähnlichkeiten zwischen mir und Rob angefertigt) Rob und ich kann man wohl als Beziehungskatastrophen bezeichnen. Wobei es meine Meinung ist, dass man selbst immer nur so schlimm in einer Beziehung ist wie es das Gegenstück in der Beziehung zulässt. Menschen die wirklich zusammen passen, brauchen keinen Streit oder irgendwelche blöden Spielchen. Zudem muss ich sagen, dass es geradezu normal ist ein Beziehungscrasher zu sein, da es den Wenigsten von uns gelingt sofort mit seiner Sandkastenliebe glücklich zu werden. Die meisten modernen Menschen probieren sich eben aus. Was so gut wie alle Menschen unter 30 zu Terroristen in Sachen Liebe macht.

Tadaaa. Ich bin nicht Rob aus High Fidelity. Doch warum war mir das so wichtig zu beweisen? Schließlich ist es auch total normal andere Menschen zu kopieren um sich deren Anhängerschar anzuschließen. Von selbst wäre ich zum Beispiel nie darauf gekommen, mir Röhren anzuziehen. Da brauchte es schon die Arctic Monkeys für. In viel zu engen Hosen rum zu laufen war eine zeitlang eine gute Methode um sich der Indie-Armee anzuschließen und in bestimmten Clubs schöne Mädchen kennen zu lernen. Und wenn man die sogenannten Stars im Fernsehen sieht, bekommt man auch ziemlich schnell heraus wen diese Menschen kopieren. Lena kopiert Nora Tschirner und Kate Nash. Zu Guttenberg macht Lothar Matthäus nach und Borussia Mönchengladbach versucht eine Profifußballmannschaft zu sein. Mal hat man viel Erfolg (Lena) und mal keinen (BMG) Doch alle versuchen es abzustreiten, dass sie irgendwen als Idol haben. Ich habe letztens in einer Buchhandlung in einem Lena Fanbuch gelesen. Sie selbst musste da einen Fragebogen ausfüllen und auch ihre musikalischen Einflüsse angeben. Kate Nash kam nicht drin vor, was für jeden der beide kennt zu großer Irritation führen dürfte.

Worauf ich aber eigentlich hinaus möchte ist, dass wir alle im Grund genommen Herdentiere sind. Selbst die von uns die nicht dazu gehören wollen und allem entsagen sind heutzutage mit ihrer Meinung nicht mehr alleine und werden ruck-zuck zum Trend gemacht. Allerdings würde ich es nicht Imitation nennen. Es ist in meinen Augen lediglich die Suche nach den eigenen Wurzeln und vielleicht auch nach einer Nische die einem gefällt und in der man es sich bequem machen kann.

Man könnte über dieses Thema endlos berichten, streiten und Vergleiche anstellen, ja sogar Bücher schreiben. Doch das haben andere Menschen schon getan und will nicht der Versuchung erliegen einfach etwas zu kopieren. Deshalb schließe ich hier auf halber Strecke.

Was mich vielleicht noch ein Stück näher zu Rob Fleming (doch, so heißt er) bringt. Denn seine Freundin verlässt ihn unter anderem auch, weil er nie etwas zu Ende führen konnte.

 

Schimmel

Veröffentlicht in 1.FC Köln, Bayern München, Fußball, Köln, Leben, Popmusik, The White Stripes, Til Schweiger am Februar 6, 2011 von johnbete

„Meine Damen und Herren, soeben ist Jens Kuhnert erwachsen geworden. Ich wiederhole: Soeben ist Jens Kuhnert erwachsen geworden. Er gehört jetzt zu uns und wird ohne jugendlichen Leichtsinn agieren.“

Es kam mir so vor, als könnte man eine solche Durchsage, durch die Stadionlautsprecher jagen. Ja, die letzten drei Tage hatten dazu beigetragen, dass ich mich zunehmend erwachsen fühlte. Doch was war geschehen? Es hatte vorher in meinem Leben schon Entwicklungen gegeben, die leichte Andeutungen zuließen, was das Erwachsenenleben betraf. Zwei von diesen Tatsachen waren sogar recht schwerwiegend. Zum Beispiel war meine Mutter gestorben, was einen zwangsläufig in die Verlegenheit bringt sich nun besonders erwachsen und verantwortungsbewusst zu fühlen. Das war bei mir nicht anders. Jedoch ließ sich dieses Erwachsensein nur auf bestimmte Teilbereiche meines Lebens bestimmen und in anderen Bereichen hab ich mich mit aller Macht benommen wie ein Teenager. Was mich zu einem anderen Punkt bringt, der mich erwachsener gemacht hat: meine Freundin. Oder wie Erwachsene sagen, meine Lebensabschnittsgefährtin. Denn ich machte mir in einer gewissen Zeit, einen Spaß daraus mich mit möglichst vielen Frauen zu verabreden. „Das ist ja auch okay“, werden manche von euch sagen. Ich war jung und musste mich austoben, stimmt es? Ja, das stimmt. Aber wie gesagt, ich WAR jung. Jetzt bin ich junggeblieben und was den Umgang mit dem anderen Geschlecht betrifft, gereifter.

Doch zurück zu den Entwicklungen der letzten drei Tage. Während dieser zweiundsiebzig Stunden ist folgendes passiert. Eine Band löste sich auf und der 1. FC Köln gewann ein Fußballspiel.

Als ich am Donnerstag las, dass die White Stripes sich aufgelöst haben, war alles anders als bei vorherigen Band-Splits oder Todesfällen. Johnny Cash starb und ich weinte fast, Limp Bizkit, die Band meine frühen Jugend lösten sich auf und ich nahm es nur so hin, Oasis lösten sich auf und mir war es egal, weil sie sowieso nie mehr so toll werden würden wie sie es mal waren und Bloc Party waren kurz vor einer Trennung und es war mir egal, weil die Band und die Songs zwar teilweise großartig waren aber ich mich der Band nie verpflichtet fühlte. Bei den White Stripes war das anders. Die White Stripes waren meine erste richtige Lieblingsband. Gemeinsam mit Johnny Cash bestimmten sie eine zeitlang meinen Blick auf die Musik, die ich mögen wollte. Ich mochte keine Effekte und Scheinwelten. Ich wollte ehrliche Musik hören, die möglichst unverfälscht war und zwangsweise viel Preis gab, von dem der sie spielte. Sie zogen eine Reihe anderer Bands nach sich, die ich toll fand, welche meistens nach demselben Schema funktionierten. Jung, coole Frisuren, Gitarre-Schlagzeug-Bass-Gesang. Und da ist aber eben schon ein Unterschied zu den Stripes. Die Stripes hatten keinen Bass. Dürften jedem klar sein, der sich mal eine Platte von Jack und Meg angehört hat. Und Jack sang auch nicht. Jack fluchte, Jack litt, Jack frohlockte, flirtete oder erzählte aber er sang so gut wie nie einfach nur sein Lied herunter.

Jack und Meg White gaben am zweiten Februar bekannt, dass sie nicht mehr als The White Stripes, als Bruder Jack und little sister Meg, auftreten oder neue Songs aufnehmen werden. Aus dem ehrlichsten und ehrenvollsten aller Gründe. Sie möchten das Bild ihrer Band nicht beschädigen. Glaube ich zumindest. Ich habe mir den Text zur Auflösung nur einmal durchgelesen. Ich bin auch kein Mensch, der in der Zeitung alles zum Tod eines berühmten Menschen erfahren muss. Robert Enke wurde von einem Zug überrollt? Das genügt mir als Information. Ich muss nicht wissen was er im Autoradio gehört hat oder wo er als letztes getankt hat. Jedenfalls merkte ich, dass sich etwas verändert hatte in mir. Das ich nie wieder die Gelegenheit haben würde mir ein neues Album der White Stripes zuzulegen und mich auf eine Tour zu freuen, machte mir ganz schön zu schaffen und ich war für zwei Abende sehr schlecht gelaunt und fragte mich, warum solche Typen wie Til Schweiger immer wieder dieselbe beschissene Liebeskomödie mit Kind drehen können, ohne vor Scham ins Kloster gehen zu müssen und die White Stripes so ehrlich zu sich selbst sind und lieber Schluss machen bevor sie zum Eigenplagiat werden. Die Antwort liegt auf der Hand und macht mich dankbar. Die Stripes haben einen guten Weg zu ihrer eigenen Kunst und sind eben auch wirkliche Künstler. Til Schweiger hingegen ist ein Medienerzeugnis. Und die White Stripes haben Fans und sind sich einer Verantwortung bewusst. Til Schweiger hat, genauso wie sonst sehr viele berühmte Schauspieler und Musiker, nur potentielle Kunden, deren Bedürfnisse es zu befriedigen gilt.

Die White Stripes gehörten zu einem wichtigen Teil meiner Jugend, der nun offiziell als beendet gelten darf.

Das andere Ereignis spielte sich gestern, am fünften Februar, ab. Und zwar gewann der 1. FC Köln gegen den FC Bayern München mit 3:2 Toren. Zweimal Novakovic und einmal Clemens trafen. Nachdem man zur Halbzeit schon 0:2 hinten gelegen hatte, drehte mein Club das Spiel und schoss die Bayern ab und ließ eine enttäuschte Gästekurve zurück. Als der FC das letzte Mal zuhause gegen die Bayern gewann, war ich gerade einmal 11 Jahre und hatte meine Premierensaison als Fan. Ich bin nämlich nicht wie so viele in den FC reingeboren worden. Ich habe mich ganz bewusst für den FC entschieden. Im Grund genommen war die Entscheidung FC-Fan zu sein, die erste die ich in meinem Leben getroffen habe, die auch wirklich ein wichtiges Ausmaß hatte. Fanta oder Mezzo Mix ist nun wirklich keine wichtige Entscheidung. Es sei denn du betreibst ein Kiosk oder bist Vertriebsleiter bei der Coca Cola AG. Auf alle Fälle konnte ich am 1. April 1995 nicht dabei sein als Toni Polster zweimal traf und Pablo Thiam einmal den Ball ins Netz bugsierte um die Bayern als Verlierer nachhause zu schicken. Und seitdem wartete ich auf dieses Gefühl. Auswärtsspiele die der FC in München gewann, fanden ohne mich statt, da ich mich regelmäßig dafür entschied zu Spielen zu fahren die der FC verlor. Und so wurde mir gestern beim Jubeln und Bangen in den letzten Minuten bewusst, dass ich einen Nick-Hornby-Moment erlebte. Nick Hornby schreibt in Feverpitch darüber, dass Fußballfans sehr lange auf bestimmte Ereignisse warten, die mit ihrem Verein zu tun haben und deswegen manchmal recht manisch werden. Ich hatte meinen Nick Hornby als der FC zum ersten Mal seit 16 Jahren zuhause gegen die Bayern gewonnen hat. Denn ich habe mit meinem Verein darauf gewartet. Wir haben darauf gewartet den, neutral gesehen, besten Verein Deutschlands zu besiegen. Wir haben darauf gewartet den arroganten Fans das Maul zu stopfen und wir, oder hier war es wirklich ganz besonders ich der gewartet hat, haben darauf gewartet, den kleinen Jungs, die aus Köln kommen und ein Trikot von Ribery, Robben oder Herrn Schweinsteiger tragen zu zeigen warum es keinesfalls okay ist seine Heimatstadt so zu hintergehen. Euch liebe Bayernkinder wünsche ich eine schöne Woche in der Schule in Klettenberg, Chorweiler, Pesch oder Kalk. Was ich eigentlich sagen wollte: etwas nach 16 Jahren zu erreichen ist doch ein guter Grund endlich einen Cut zu machen und erwachsen werden zu wollen. Natürlich gibt es wichtigere Ziele als die Bayern zu schlagen, es gibt sogar wichtigere Spiele als das gegen Bayern München. Vermutlich werde ich auch irgendwann eine neue Band kennenlernen und mich in sie verlieben. Aber da ich mich immer über die Frauen mit denen ich gegangen, die Musik die ich gehört habe und den Verlauf der Saison, die ich durchlebt habe, definiert habe, könnte das gerade eine gute Zeit sein um sich zu entscheiden erwachsen zu werden.

„Jens Kuhnert hat sich soeben dazu bekannt erwachsen zu sein.“

Oder doch nicht?

Choo Choo

Veröffentlicht in Bahn, Bahn fahren, DB, Deutsche Bahn, KVB am Februar 3, 2011 von johnbete

Einige Männer, nein nicht einige sondern die überwiegende Mehrheit aller Männer, und auch eine wachsende Zahl von Frauen schwören auf ihr Fortbewegungsmittel. Egal ob Autos, Motorräder oder aufgepimpte Fahrräder; sie alle werden in den Himmel gehoben und von weit unten götzenhaft angebetet. Nur mit der Bahn ist das etwas anderes. Die Bahn wird verflucht. Zuviele Menschen, zu unflexibel von der Unpünktlichkeit und der ungehobelten Kommunikationskultur des Servicepersonals ganz zu schweigen, erscheint die Bahn in Gesprächen oft als Vorort zur Hölle. Bei mir ist das anders. Natürlich ärgere ich mich auch wenn ich an einem Provinzbahnhof festsitze weil mein Zug Verspätung hatte. Schlimmer wird es, wenn man dann auch noch frieren muss oder im Regen steht. Dennoch fahre ich oft und, Autofahrer mögen es kaum glauben, auch gerne in der Bahn. Egal ob Straßenbahn, Regionalzug oder ICE. Ihr denkt jetzt bestimmt, dass ich mir das nur einrede weil ich keinen Führerschein habe und ich mir diese Tatsache schön reden will. Denjenigen unter euch kann ich nur meine ewige Top 3 nennen, die es mir jedes Mal leicht machen in die Bahn zu steigen.

 

Nummer Eins:              Mädchen. Oder gerne auch Frauen. Man trifft sie da massenhaft und auch wenn es mich mittlerweile nicht mehr interessiert, kann ich einfach jeden verkrampften Single nur empfehlen mehr Bahn zu fahren. Nicht um etwas Großes anzufangen, sondern einfach um ein Gefühl für das Flirten zu bekommen. Nie lächelt man eine Frau leichtfertiger und ungehemmter an, als eine Station vor dem Ausstieg. (Dieser Satz ist mit höchster Wahrscheinlichkeit grammatikalisch nicht richtig.) Und die etwas abgebrühten können sich dann auch schon mal wagen eine der Damen anzusprechen. Also ihr seht, die Bahn ist eine einzige Singlebörse.

Nummer Zwei:             Focus on art. Musik, Bücher, Zeitschriften. Mit alldem kann man in der Bahn sehr viel Zeit verbringen. Einige Alben habe ich erst in der Bahn richtig lieben gelernt. Was gibt es schließlich besseres als zu urbanen Klängen durch eine dunkle und beleuchtete Großstädte zu fahren? Sicher, dass klappt auch in einem Auto, wenn ich jedoch manchen Autofahrer durch seine Frontscheibe beobachte, liegt der Gedanke nahe, dass man, wenn man selbst fährt kaum relaxed genug sein dürfte, um einer wirkliche guten Platte die entsprechende Aufmerksamkeit schenken zu können. Von Zeitschriften und Büchern natürlich ganz zu schweigen.

Nummer Drei:              Eine Bahnfahrt dient als Inspirationsquelle. Man kann Menschen selten besser beobachten als in der Bahn. Erst gestern Morgen stieg ich in einen Zug, der vollbesetzt war mit Menschen, die vor sich hingestarrt haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich keiner von ihnen für mich interessiert, oder mich überhaupt wahrgenommen, hat. Wirklich alle schrieben SMS, stellten ihren mp3player ein oder lasen in einem Buch oder einer Zeitung. Nur eine Frau wurde zur Ausnahme indem sie apathisch auf die Tür glotzte. Als ich sie sah, begann mein Hirn zu arbeiten. Was war dieser Frau passiert? Wie war ihr Morgen? Wo fuhr sie hin? Das sind alles Fragen, die fähig sind eine Geschichte zu spinnen. Ob diese dann an die Realität heranreicht ist ja wieder eine ganz andere Sache.

 

Wir sehen uns dann. In der Bahn.

Kakerlakentreff

Veröffentlicht in Alice Schwarzer, CDU, CSU, Daniela Katzenberger, Doctor´s diary, Dschungelcamp, Florian David Fitz, Ich bin ein Star holt mich hier raus, Lena, Marie Luise Marjan, Marko Marin, Mutter Beimer, Nora Tschirner, Reiner Calmund, RTL, Til Schweiger, Verona Feldbusch, Verona Pooth, zu Guttenberg am Januar 23, 2011 von johnbete

Um eines vorweg zu schicken, ich weiß nicht wie dieser Text hier aussieht wenn er fertig ist, denn ich schreibe zum ersten Mal an einem anderen Laptop (den meiner Freundin) und nicht mit Word ( sondern mit diesem Programm von WordPress)

Doch darum soll es hier nicht gehen. Thema heute ist ein Spiel, dass ich in der letzten Zeit gerne mal gespielt habe. Es heißt: Mein persönliches Dschungelcamp. Also eigentlich ist es auch kein richtiges Spiel sondern eher, dass Ausdenken einer persönlichen Hass-Top 10. Könnte man zumindest meinen. Dem ist aber nicht so, natürlich braucht und will man dabei auch Menschen ins Camp schicken, die man absolut nicht leiden kann. Doch damit die Sendung richtig witzig und interessant werden würde, braucht man eben auch Menschen, die man gerne mal etwas intimer und privater kennenlernen möchte. Daher folgen jetzt hier meine 10 ganz eigenen Dschungelcamper:

Nummer 1 ist (Trommelwirbel) Marko Marin: Okay, da ist es dann doch eine sehr emotionale und hässliche Entscheidung. Aber hey, Weihnachten ist vorbei und unchristlich Denken wieder erlaubt. Marko Marin würde bei mir jeden Tag eine Prüfung machen müssen. Egal ob er gewählt werden würde oder nicht. Wobei seine größte Prüfung wohl auch darin bestehen würde, durch das Camp zu gehen ohne immer wieder im Boden stecken zu bleiben und daraufhin hinzufallen. Er schreit vor Schmerzen und alle Mitbewohner kommen angerannt um ihm in seinem Schmerz zu helfen. Doch glücklicherweise war es ja nur ein Stock der “voll gemein”  auf dem Boden lag und “dem Marko aua emacht hat” (Beides Mal O-Ton Marko Marin) Nachdem die Camper das am ersten Tag ungefähr 48 Mal mitgemacht haben sind sie sowieso so bedient von ihm, dass sie ihn liebend gern zu jeder Dschungelprüfung schicken. König wird er damit aber nicht sondern wird im Dschungel von einem aggressiven Tausendfüßler übel zugerichtet und muss das Camp notgedrungen verlassen. Für alle die Marko nicht kennen. Er ist Fußballer (zumindest glaubt er das) und spielt zur Zeit bei Werder Bremen und ehemals bei Borussia Mönchengladbach.

Nummer 2 ist (Gitarrensolo) Alice Schwarzer: Nach Marko Marin also der erste Mann im Camp. Oder die erste Frau. Hach, sexuell ist alles so verwirrend für mich. Um mal wieder zum Ernst des Lebens zurückzukommen. An Alice Schwarzer finde ich interessant, dass sie so etwas im wirklichen Leben nie tun würde. Niemals würde diese integere Frau sich für so etwas hergeben. Doch falls sie es doch tun würde, wäre es lustig zu sehen, wie sie sich dafür rechtfertigen würde im Dschungel zu sein und Maden und anderes Schleimgetier essen zu müssen. Königin wird sie aber auch nicht, da “Männer ja eh viel zu viel Macht haben” und sie deswegen sogar als erste das Zeltlager verlassen muss.

Nummer 3 ist (Tambouringeklingel) Florian David Fitz: Davon hätten wirklich alle was. Die Gebildeten unter den Zuschauern könnten sich fragen, wer zur Hölle das ist (Hauptdarsteller der Mega-Mädchen-Serie “Doctors Diary”). Aus Sicht vieler Frauen wäre der Sex-Sells-Faktor der Sendung rapide nach oben gegangen und die Männer hätten jemanden, den sie verfluchen könnten weil er offensichtlich und auch im Dschungel noch besser aussieht als die meisten von uns. Gleichzeitig wäre er aber auch witzig, klug und draufgängerisch und deshalb würde man ihn dann doch auch ganz gerne als Kumpel haben. Trotz seiner Vielseitigkeit fliegt er dennoch früh raus, da alle Frauen vor allem an die Unversehrtheit seines Körpers achten und ihn deshalb nachhause schicken.

Nummer 4 ist (Harfengekritzel) Marie-Luise Marjan: Die Mutter der Nation. Mutter Beimer aus der Lindenstrasse. Nachdem der Platz des Mannweibs schon von Alice besetzt ist, bleibt der, der Seelsorgerin. Das macht Frau Beimer, ähh, Marjan gerne. Jedoch verlässt sie das Camp freiwillig weil Alice Schwarzer ihr überall hin folgt und sie ständig verantwortlich macht für das desaströse Bild, dass die Gesellschaft von Frauen über 60 zeichnet. “Frau Beimer ähh Marjan stehen Sie zu Ihrer sexuellen Energie und lassen den Mann den Abwasch machen” Daraufhin steht Frau Beimer zu ihrer sexuellen Energie und flieht aus dem Camp zu den Amish Peoples in die USA.

Nummer 5 ist (Basslauf) Reiner Calmund: Es war klar, dass der auftauchen würde, oder? Der Reiner braucht Geld, also nicht wirklich aber mal ehrlich: “Wann is denn eijentlisch jenuch?” und der Reiner hat Zeit. Doch was der Reiner vor allem braucht ist mediale Bestätigung. Oder zumindest Erwähnung. Und die findet er nachdem er alle Kakerlaken einer Prüfung gegessen hat, obwohl er eigentlich durchschwimmen sollte. “Lecker is eben lecker, da kenn isch nix” Die folgenden Blähungen machen ihn jedoch für das Camp untragbar und RTL entfernt ihn aus dem Dschungel.

Nummer 6 ist (James Brown Geschrei) Nora Tschirner: Hier verhält es sich ähnlich wie bei Herrn Fitz. Die ungebildeten unter den Männern können sich die ganze Zeit fragen, was an der “ollen denn bitteschön geil sein soll, schließlich hat die ja noch nicht mal dicke Titten” Die Indiejungs könnten sich die ganze Zeit selbst ins Camp träumen um Nora einmal ganz nah sein zu können. Das gleiche würde auch der Rest der Männerwelt machen und alle Frauen würden es auch gucken um Nora entweder zu verfluchen oder nichts von dem zu verpassen was sie sagt und tut. Denn sie ist ja nunmal voll süß und niedlich und auch intelligent und Männer finden es bestimmt nicht schlimm, wenn auf einmal nur noch Nora Tschirners durch die Gegend laufen. Ganz im Gegenteil Männer finden, dass doch bestimmt ganz super.  Nein, finden Männer nicht und deshalb wird Nora auch ganz schnell von ihnen rausgewählt. Falls Nora absagt könnte RTL auch die Nora 2.0 nehmen. Die Lena Mayer-Landrut.

Nummer 7 ist (Bongogezeter) Til Schweiger: Til Schweiger ist für die Schocker im Camp zuständig. 40-jährige Frauen weinen hemmungslos wenn sie sehen wie der Hollywood-Mime nach nur einem Tag in Hitze und Luftfeuchtigkeit aussieht. Gott sei Dank hat Til seinen wichtigsten Luxusartikel ins Camp mitgebracht: sein Handy. Damit er immer “connected mit den Lieben” ist. Die Lieben, dass sind vor allem sein Agent und sein Manager, die ihm raten, dass er so schnell wie möglich aufhören soll, damit er in Zukunft wenigstens noch in einer Deutschen Vorabend-Serie mitspielen darf. Daraufhin erklärt er, dass er “voll busy” sei und doch tatsächlich schon wieder “der Quentin” angerufen hätte, denn wenn man einmal “in LA arrived ist” dann wird man halt nicht vergessen. Die Leute da sind so “real und doch tough”

Nummer 8 ist (Flötengepfeife) Daniela Katzenberger: Ganz klar natürlich auch wegen dem Sex-Sells-Faktor, für die Zielgruppe der Plastikfetischisten. An der Katze ist alles echt. Außer der Körper. Aber wenigstens hat sie noch keinen allzu großen Bekanntheitsgrad und muss das hier machen, damit sie richtig durchstarten kann. Doch leider verlieren Florian und Til sie nach einem langen Dschungelspaziergang. Was natürlich total schade ist. Da man Katze nicht wiederfinden kann und sie lange Zeit als verschollen gilt setzt RTL seine Sendung “Vermisst” darauf an und wird tatsächlich im australischen Dschungel fündig. Leider sind von Daniela aber nur noch die unverdaubaren Plastikteile übrig.

Nummer 9 ist (Klaviergeklimper) Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg (puh!): Karl (sie seine Freunde ihn nennen dürfen) kann fast alles. Oder viel besser kann er alles fast. Er kann die CSU fast sympathisch erscheinen lassen. Er kann fast das Ölvorkommen in der Nordsee in seinen Haaren unterbringen. Er kann fast seine Soldaten im Griff haben. Er kann fast dafür sorgen, dass seine Soldaten Afghanistan verlassen können. Er kann fast wie ein moderner, jugendlicher und hermdsärmeliger Politiker wirken und nicht etwa wie ein neureicher Snob der ja im Endeffekt dann doch nichts dafür tun musste, dass es ihm gut geht. Und, und das ist wohl sein größtes “fast”, er kann nur fast so aussehen wie Lothar Matthäus. Deswegen wird er auch nur fast Dschungelkönig und eben nicht wirklich.

Denn Nummer 10 und Dschungelkönigin ist (Triangelgewimmer) Verona Feldbusch: Ja Feldbusch, denn kurz vor dem Staffelbeginn, lässt sich Franjo von ihr scheiden und Verona steht ohne Geld da. Steht so im Ehevertrag und wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ohne Mittel sieht sich Verona an den Anfang ihrer Karriere erinnert und macht für Geld alles. Sie futtert den Dschungel leer, häutet Krokodile, fängt eine Campromanze mit Til an und tanzt an Callis Geburtstag nackt für ihn. Das honorieren die Zuschauer und lassen Verona Feldbusch als Siegerin den Dschungel verlassen. Woraufhin sie neue Jurorin bei DSDS wird und Dieters Platz dort und auch beim Supertalent einnimmt. Tja Alice, Frauen haben eben doch mehr Macht.

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